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DREAMWAYS OF THE IROQUOIS - angeregt nach einer Reise durch Kanada


Von Ernst Silbermayr


Die 6 Nationen der Irokesen sind ein Zusammenschluss der Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga and Seneca, die alle im Nordosten des nordamerikanischen Kontinents angesiedelt waren bzw. sind (Upstate New York bis in die Gegend rund um den St. Lorenz-Strom in den kanadische Provinzen Quebec und Ontario). Historisch etwas später schlossen sich die Tuscarora an, die ursprünglich weiter südlich in den Carolinas siedelten (North Carolina, South Carolina). Die genannten Nationen gründeten die erste Föderation am nordamerikanischen Kontinent. In ihren Sprachen nennen sie sich Haudenosonee - „the People of the Longhouse“.


Bevor die Kolonialisten aus Europa auf den nordamerikanischen Kontinent kamen, gab es keine schriftlichen Aufzeichnungen oder Überlieferungen. Die 6 Nationen hatten eigene Methoden der Überlieferung entwickelt. Erzählte Geschichten und eine Traumkultur gehören dazu. Festgehalten wurde ihr Wissen z.B. in Bändern und Gürteln mit symbolisierten Gegenständen wie Muscheln (wampum beads = Muschelketten), etc.... die visuelle Sprache war ihr Methode der Überlieferung. Für die 6 Nationen der Irokesen haben Träume eine höhere Bedeutung als das Leben auf der irdischen Welt.


Das, was geträumt wird, hat immer eine Botschaft, die es zu verwirklichen gilt. Die Irokesen haben Traditionen entwickelt, Träume einander mitzuteilen, handelnd zu deuten und bewusst initiierte Traumreisen zu unternehmen.


Robert Moss hat sich mit diesen Traditionen beschäftigt. Er propagiert eine „heilsame Traumkultur“ basierend auf den Traumkulturen der nordamerikanischen indigenen Bevölkerung. Er hat eine Methode dazu entwickelt, die er „Active Dreaming“ nennt.

Dabei ist der Kernpunkt, Träume miteinander zu teilen. Es wird darauf verzichtet, Träume verbal zu deuten, weil sie dadurch ihre Energie und „Magie“ verlieren. Ein Traum einer anderen Person darf niemals gedeutet werden! Ebenso verpönt ist es, mit „Dream Sharing“ andere Leute zu manipulieren. Wenn jemand einen Traum erzählt, ist es die Aufgabe der ZuhörerInnen, mit dem Träumer einen Aktionsplan zu entwerfen, der zum Ziel hat, dem Traum zur Erfüllung zu verhelfen. „Active Dreaming“ hat einige psychodramatische Elemente.


Robert Moss schlägt einen vierstufigen Prozess vor:


  1. Schritt: die/der TräumerIn erzählt ihren/seinen Traum als eine Geschichte mit einem Titel. Die Geschichte sollte dabei möglichst ohne autobiografische Elemente erzählt werden. Der/die TräumerIn tritt als GeschichtenerzählerIn auf. Auch der Titel der Geschichte wird vom/von der TräumerIn gewählt. Bei diesem Schritt sind drei wesentliche psychodramatische Elemente enthalten: Die Bühne (Inszenierung eines Traumes auf der psychodramatischen Bühne), die Freiheit der Wahl (Titel) und ein Rollen- und Perspektivenwechsel (die/der ProtgaonistIn schlüpft in die Rolle des/der GeschichtenerzählerIn)

  2. Schritt: Die/der ZuhörerIn fragt drei Schlüsselfragen:

    1. Wie hast du dich gefühlt, als du nach dem Traum aufgewacht bist?

    2. Realitätscheck: hat den Zweck zu eruieren, ob der Traum Verbindungen zum „wachen“ Leben hat oder Elemente enthält, die mit Perspektiven zu tun haben. Ein Traum kann explizit sein, symbolisch sein oder überhaupt eine transzendente Erfahrung darstellen. Zum Beispiel: „Erkennst Du Leute oder Elemente im Traum aus deinem Leben?“, „Kann eine Situation aus dem Traum in Zukunft tatsächlich passieren?“, etc.

    3. Was würdest du gerne über diesen Traum wissen?

  3. Schritt: „Als ob es mein Traum wäre“: in diesem Schritt erzählt die/der ZuhörerIn, wie sie/er den Traum erlebte, wäre es sein/ihr eigener. „Wenn es mein Traum wäre, würde ich denken, .......“ Das psychodramatische Element der Begegnung wird hier wirksam: die/der TräumerIn erlebt, wie ihr/sein Traum etwas beim/bei der ZuhörerIn bewirkt (etwas bedeutet) und die/der ZuhörerIn reagiert darauf = Begegnung in actu.

  4. Schließlich kommt von der/vom ZuhörerIn die wichtige Frage: „Wie wirst Du diesem Traum seine Ehre erweisen?“ Die Nationen der Irokesen haben gemeinsam den Traum gespielt, indem Klanmitglieder einzelne Rollen übernommen haben, etc.... (= das psychodramatische Element „Spiel“). Dahinter steckt das Wissen, dass Träume einer Handlung bedürfen („dreams require action“). Das erinnert an das psychodramatische Prinzip des handelnden Verstehens.


Wir PsychodramatikerInnen würden selbstverständlich einen weiteren Schritt hinzufügen, in dem das Sharing möglich gemacht wird, die Einbindung des individuell Erlebten in ein Gruppenerleben, in ein größeres Ganzes.


Kann „Active Dreaming“ Anregungen für die psychodramatische Arbeit mit Träumen geben?


Ich meine: ja. Die szenische Darstellung von Träumen haben in schamanistischen Heilungspraktiken einen zentralen Stellenwert. Die 6 Nationen der Irokesen haben eine Kultur entwickelt, bei der Träume in einer Gemeinschaft nachgespielt wurden.


Umgesetzt auf die therapeutische Nutzbarkeit ist es wichtig, dass alle Elemente im Spiel besetzt und zum Leben erweckt werden, auch Steine, Pflanzen, etc... . Robert Ross nennt Inszenierung von Träumen „Traumtheater“. Im Wesentlichen entspricht sein Traumtheater einem Protagonistenspiel mit folgendem Ablauf:


  1. zuerst wird der Traum als Skript erzählt

  2. Besetzung der Rollen: der/die Protagonistin wählt

  3. Einrichten der Bühne

  4. Choreografie: Ablauf noch einmal erklären, eventuell bestimmte Sätze geben. (= Einkleiden)

  5. Spiel: 1. Durchgang; in Spiegeltechnik – Protagonist/in schaut zu

  6. Skript-Konferenz (Zwischenreflexion des Protagonisten, u. U. können neue Regieanweisungen gegeben werden, die AntagonistInnen zum freien Spiel aufgefordert werden, etc

  7. Spiel 2: wobei sich diesmal der Protagonist selber in seiner Rolle erleben soll.

  8. Applaus

  9. Feedback durch die MitspielerInnen

  10. Wie oben schon beschrieben, muss die/der ProtagonistIn sich eine Aktion überlegen, was sie/er tut, um dem Traum Ehre zu erweisen (z. B. sich etwas vornehmen ....). Der Traum soll eine real effektive Bedeutung für die/den TräumerIn haben.